Social Learning = Social Earning?!

Weil ich weiß, dass Lernen mehr als Zuhören, Pauken, Schreiben, Benotung, Strafe, Lob, Wissen, Fragen, Zuhören und Pauken sein kann, hinterfrage ich heute das Potenzial von Social Learning.

Weil ich weiß, dass Lernen mehr als Zuhören, Pauken, Schreiben, Benotung, Strafe, Lob, Wissen, Fragen, Zuhören und Pauken sein kann, hinterfrage ich heute das Potenzial von Social Learning. Julian Grandke und Cornelie Picht lieferten im Rahmen der Blogparade #solea11 den Denkanstoß zu diesem Blogpost – danke dafür! Der Begriff Social Learning ist mir zum ersten Mal während meines Studiums begegnet. Da aber so viele Fachbegriffe im Web mit dem alles- und nichtssagenden Wort “Social” geschmückt werden, habe ich mir zunächst keine großen Gedanken darüber gemacht. Social Learning? Irgendein von selbst ernannten Kommunikations-Gurus auserkorener Webtrend, dem ich studienbedingt hinterhereifern muss? Falsch gedacht. Es brauchte nur einen kleinen Versuch, ein kleines Projekt, um mir dessen klar zu werden. Mein Professor Heinz Wittenrbink hat damals vorgeschlagen, dass wir uns in kleinen Gruppe ausgesuchte Lehrinhalte gegenseitig beibringen und die wichtigsten Ergebnisse in einem Wiki sammeln, um sie jedem zugänglich zu machen. Die Idee in Kurzform: Sammeln, Diskutieren, Entscheiden, Erarbeiten, Präsentieren, Hinterfragen, Ergänzen, Konservieren, Lernen Sammeln, Diskutieren, Entscheiden…
Das Lehrmodell hinter dieser Idee nennt sich “Lernen durch Lehren”. All denjenigen, die sich für die Besonderheiten dieses Lehrmodells interessiert, sei an dieser Stelle der Weblog des “LdL”-Gründervaters Jean-Pol Martin empfohlen. Ich bin jedenfalls von der Idee begeistert, weil eingerostete und standardisierte Lehrprozesse auf den Kopf gestellt werden: Zweiwegkommunikation statt Einwegkommunikation, aktive Lernende statt aktive Lehrende, Nachhaltiges Lernen statt prüfungsorientiertes Pauken.
Versteh mich nicht falsch, ich will hier niemandem das Ammenmärchen von der einen Lehrmethode erzählen, die das Lernen in Zukunft revolutionieren wird. So gab es in der Lehrveranstaltung, wo ich mit meinen Studienkollegen “LdL” ausprobiert habe, sicher nicht nur himmelhohes Jauchzen über die Vorteile dieser Form von Lernen und Lehren. Die einen haben sich beschwert, dass der Professor keinen Bock mehr auf das Unterrichten habe, die anderen haben halbherzig Wikipedia nach den wichtigsten Eckdaten ihrer Themen durchsucht. Es kann aber auch gar nicht darum gehen, dass immer alle alles annehmen und akzeptieren, was ihnen in Schule, Uni oder im Unternehmen als effektive Lernmethode vorgesetzt wird.
Aus “Lernen durch Lehren” habe ich für mich wichtige Grundgedanken des Social Learnings filtern können: Man muss Mut haben, um Lehrinhalte in einer Gruppe zur Diskussion zu stellen und den Lernenden über den Lehrenden zu stellen. Man muss Vertrauen haben, nicht nur in jeden Lernenden der Gruppe, in der man lernt, sondern vor allem auch in sich selbst. Man muss differenziertes Denken und Kritik zulassen, um wirklich kreativ sein zu können und in der Gruppe nachhaltig wissenswertes zu schaffen. Kurz: Man muss den Paradigmenwechsel des Lernens offen gegenüber stehen.

Etwas humoristischer nähert sich dieser Blogpost auf wwweblernen.de den Grundsätzen des Social Learnings. Mit Humor, einem Lächeln und Spaß an der Sache wird oft vieles klarer. Bietet man zum Beispiel als Krimi-Autor seinen Lesern ab und zu ein kleines lustiges Schmankerl, wird der Rest des Krimis für sie gleich sehr viel erträglicher sein. Deswegen ist auch meiner Meinung nach eine entspannte, offene und humorgeladene Lernatmosphäre perfekt geeignet, um in einer Gruppe auch schwere Lehrinhalte zu verinnerlichen. Als Online-Plattform zur Dokumentation des Erlernten bieten sich meiner Meinung nach ebenso offene und interaktive Communitys an. Mit Yammer habe ich zum Beispiel schon sehr gute Erfahrungen gesammelt was Knowledge-Sharing angeht.
Abschließend möchte ich kurz meine Gedanken zum Thema Social Learning zusammenfassen: Wenn man es schafft Mut, Vertrauen und differenziertes Denken zur Maxime des alltäglichen Lernens zu machen und dabei trotzdem die Freude an neuen Mitlernden oder neuem Wissen behält, dann kann Social Learning zum Social Earning werden. Andernfalls werden sich Standard, Pflicht und Zwang nicht nur in Schulen und Unis, sondern auch in Unternehmen durchsetzen.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast noch mehr über Social Learning nachzudenken, lass dich doch von den zahlreichen Beiträgen zur #solea11 noch mehr inspirieren.

Ich weiß was, was du nicht weißt.
Weiliewei

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