Der Mensch als PR-Tool

PRo Mensch, contra Werkzeug

Weil ich weiß, dass sich die PR-Branche noch lange nicht an Web 2.0 und dessen weitreichende Bedeutung für den Medienmarkt gewöhnt hat, berichte ich heute vom PR-Tag 2010 in Wien.

Weil ich weiß, dass sich die PR-Branche noch lange nicht an Web 2.0 und dessen weitreichende Bedeutung für den Medienmarkt gewöhnt hat, berichte ich heute vom PR-Tag 2010 in Wien. 206 Unternehmer, PR-Fachleute, professionelle und weniger professionelle Kommunikatoren sind der Einladung des PR-Verbands Österreich gefolgt und haben sich der Frage “PR ohne klassische Medien?” gewidmet. Zusammen mit meinen Studienkollegen Jochen und Steffi habe ich live von dem Event getwittert (#prtag10).Die personellen Highlights der Veranstaltung waren unter anderem ORF-Moderator Armin Wolf und Medienphilosoph Ossi Urchs , beide aktive Twitterer. Zusammen haben sie frischen Wind in die Expertenrunde gebracht.
Wolf moderiert in gewohnt hemmungsloser Manier und Urchs bringt mit seiner erschlagend logischen Keynote über den Siegeszug des Web 2.0 (der Schneeengel hat Urchs interviewt) so manchen alt eingesessenen Öffentlichkeitsarbeiter ins Schwitzen.
Überhaupt stellt der PR-Tag 2010 das Verständnis von Kommunikation auf den Kopf, unterscheidet mediale Fiktion von medialer Realität unterstreicht so die Bedeutung von PR 2.0.
PR ist nicht mehr nur die Beziehung zwischen einem Unternehmen und den klassischen Massenmedien. PR ist nicht mehr hierarchische Kommunikation von einem Sender zu einer breiten öffentlichen Empfängerschar. PR ist nicht mehr nur kalkuliertes Verbreiten von Unternehmensinformationen an eine unüberschaubare Masse.
PR muss  Beziehungen zu Kunden schaffen, Kunden als mündige und kritische Empfänger akzeptieren, in den individuellen Dialog mit Menschen treten. Urchs: “Wenn Märkte Gespräche sind, dann müssen Unternehmen daran teilnehmen.” Diesen Trend unterstützt natürlich das Web 2.0.
Eine einfache Gleichung: Interaktion+Austausch=Web 2.0. Dahinter steckt nichts anderes als der Grundgedanke der Vernetzung aller aktiven User zu einer Wissens- und Meinungscommunity, die begünstigt durch Social Media Plattformen, in rasanter Geschwindigkeit kommuniziert und interagiert.
User und Kunden erlangen so durch das Web mehr Macht, sprich Consumer Energy. Unternehmen dürfen diese Macht nicht unterschätzen und erst recht nicht ignorieren. In der Web-Community müssen Unternehmen aktive und interessierte Teilnehmer sein.
Dazu ist es wiederum notwendig zurück zu lernen. So paradox es klingen mag, Unternehmen müssen menschliche Kommunikation lernen, müssen zuhören lernen, müssen lernen mit menschlicher Sprache zu sprechen. Das Web ist menschlich, PR muss menschlich werden. Ossi Urchs erweitert dieses Medienverständnis und zitiert Jeff Jarvis: “Marken sind Menschen”.
Vor dem Hintergrund jahrzehntelanger PR-Traditionen und eingefahrener Markt-Automatismen relativiert sich dieser revolutionäre Ansatz jedoch. Der Großteil der österreichischen Öffentlichkeitsarbeiter scheint trotz allem Enthusiasmus seitens der Online-PRos das Web 2.0 als weiteres Tool in der Werzeugkiste eines PR-Fachmanns abzutun.
Dahinter steckt womöglich mehr als nur Ignoranz. Kommende Generationen werden die PR-Branche ein Weben. Die Digital Immigrants hoffen wohl im Stillen, dass sich diese einschneidende Wende noch hinzieht, um nicht als unerfahrener Schwimmer im Online-Meer unterzugehen.
Fazit: PR ohne klassische Medien wird möglicherweise bald Alltag sein. Nur eins ist sicher. PR und Medien werden in absehbarer Zeit zur Heimat von Digital Natives und Digital Wannabes. Als kommunikatorische Richtlinie für diese neue Medienepoche formuliert Ossi Urchs abschließend: Network – Peer – Share.  Netzwerken – prüfend schauen – austauschen.
Mehr zum Thema bietet Ossi Urchs Website, Youtube und der Standard.

Ich weiß was, was du nicht weißt.
Weiliewei

  • O-ton vom ehemaligen Vizepräsidenten des PRVA, Klaus Lojka: “Zu meiner Zeit wäre ein solches Thema nicht erst fünf Jahre zu spät besprochen worden.”

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Er schreibt


Henric lustwandelt durch Kultur, Jugend und Medien. Seine Beobachtungen schreibt er unregelmäßig nieder. Geig ihm deine Meinung.