(K)ein Mensch im Netz

(K)ein Mensch im Netz

Weil ich weiß, dass das Web eine ganz eigene Kultur prägt und weiterentwickelt, stell ich heute eine Frage in den virtuellen Raum: Warum gerät Menschlichkeit in Vergessenheit, wenn wir uns im Web bewegen?

Weil ich weiß, dass das Web eine ganz eigene Kultur prägt und weiterentwickelt, stell ich heute eine Frage in den virtuellen Raum: Warum gerät Menschlichkeit in Vergessenheit, wenn wir uns im Web bewegen? Im Rahmen des 5.  Grazer Managementforums umriss Prof. Dr. Thomas Pleil, Lehrender für Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, einen Kernwert menschlichen Zusammenlebens: Verantwortung. Verantwortungsbewusstes Handeln gehöre untrennbar zur Netzkultur, zum Verhaltenskodex aller Internetuser.
In diesem Zusammenhang etabliert Pleil den Begriff der Verantwortungskommunikation“. Verantwortung trägt laut Pleil nicht nur der einzelne User mit jeder Statusmeldung, jedem Post und jedem Beitrag, sondern auch Gruppen, Organisationen und Unternehmen, die im Sinne von Online-PR wirtschaftliche Ziele erreichen wollen.
Transparenz, sprich eindeutig erkennbare Absichten und Strukturen seien der Schlüssel zu verantwortungsvoller und verantwortbarer Kommunikation im Netz, so Pleil.
Fakt ist allerdings, dass es nach wie vor User gibt, die anonym irgendeinen Mist posten, es gibt Organisationen, die Astroturfing betreiben, um sich oberflächlich einen populären und authentischen Anstrich zu verpassen. Letztlich wundert man sich, warum das world wide web zur riesigen Müllhalde für allerlei verletzende, gewalttätige und verstörende Geistesabfälle avanciert (ein anderes Bild stellt Prof. Dr. Pleil in den Kommentaren zu diesem Post vor).
Ich finde es unheimlich, dass Verantwortungskommunikation nicht selbstverständlich ist, weil sie eben menschlich ist. Wieso vergessen wir also menschliche und mitmenschliche Instinkte, Veranlagungen, Werte und Moralvorstellungen, wenn wir uns im Netz bewegen? Nur weil niemand verantwortungsbewusst handeln muss?
Wenn das Web wirklich zu einem Teil unseres Lebens wird, sollten wir schnell lernen, uns auch im Netz als Mensch, sprich menschlich zu verhalten.

Ich weiß was, was du nicht weißt
Weiliewei

  • Danke für’s Aufgreifen und Weiterführen des Themas. Gebe Ihnen vollkommen recht, dass Verantwortungskommunikation eigentlich Selbstverständliches beschreibt. Allein die Bewusstmachung scheint mir bei solchen Themen immer wieder notwendig.

    Zwei Ihrer Punkte möchte ich jedoch kurz kommentieren:

    – Ob es wirklich immer mehr Astroturfing gibt, weiß ich nicht. Mir ist dazu leider keine vergleichende Studie bekannt. Klar scheint mir aber, dass das Risiko, dass Astroturfing für ein Unternehmen kontraproduktiv (weil aufgedeckt und kritisiert) wird, zugenommen hat.
    – Die Wahrnehmung des Internet als riesige Müllhalde erscheint mir recht subjektiv. Mir scheint es eher wie in einer großen Stadt ganz unterschiedliche Bezirke zu geben, mit unterschiedlichen Stimmungen, mit wunderschönen und auch weniger schönen Ecken. Dennoch: Obwohl ich jeden Tag viele Stunden im Netz verbringe, komme ich doch eher selten in Gebiete, in denen ich mich unwohl fühle. So habe ich z.B. nach mehr als drei Jahren auf Twitter dort kaum schlechte Erfahrungen gemacht. Klar gibt es auch dort immer wieder Social Spam, oder Leute, die einem etwas andrehen wollen, die blende ich aber schnell aus meinem Netzwerk aus. Mir erscheint dieser Weg bisher als der praktischste – und eben der Appell an uns alle, verantwortungsvoll mit unseren Möglichkeiten im Netz umzugehen – auch, wenn wir gelegentlich mal pseudonym oder anonym unterwegs sind, da gebe ich Ihnen völlig Recht.

  • Vergessen wir diese Aspekte wirklich nur im Web? Auf der ganzen Welt wird doch von unterschiedlichen Personengruppen vorgelebt, wie auf Ethik und Moral verzichtet wird – zum eigenen Nutzen. Warum soll das dann der “einfache” Nutzer (am Web) nicht auch tun. Am Web hat dieser zumindest eine Bühne.

    Warum das so ist? Meine pragmatische Antwort darauf: Weil es fast nie mit einer Konsequenz verbunden ist.

    • Du hast wahrscheinlich Recht. Menschlichkeit ist in allen medialen Formen ein rares Gut. Umso wichtiger, dass man darauf aufmerksam macht. Herzlichen Dank für dein Statement.

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